Interview

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Wettbewerbsfähigkeit und Klimaschutz – widerspricht sich das nicht?

Unternehmen stehen derzeit vor großen Herausforderungen: Fachkräftemangel, Innovationen, Wettbewerbsfähigkeit. Die Europäische Union unterstützt Firmen dabei, diese zu meistern. Doch das ist vielen Top-Managern nicht bekannt. Um herauszufinden, welche Initiativen und Reporting-Richtlinien Unternehmenslenker kennen und als wichtig identifizieren, haben die internationale Strategieberatung Oliver Wyman und das Science-Society-Netzwerk Mission Wertvoll eine Umfrage durchgeführt. Hier erklären Martin Schulte, Partner bei Oliver Wyman, und Politökonomin Maja Göpel, warum Wettbewerbsfähigkeit und Klimaschutz kein Widerspruch sind. 

Welche Implikationen hat die Umfrage für die Wirtschaft?

Martin Schulte: Die Initiativen der EU bieten für Unternehmen einen handfesten Mehrwert und zeigen deutlich, dass die EU und Wirtschaft an einem Strang ziehen. Der Net-Zero Industry Act war unter den Befragten noch weitgehend unbekannt, allerdings ist das Gesetz auch eines der jüngsten aus der letzten Legislaturperiode. Seine Effekte und der Fokus auf Schlüsseltechnologien wie erneuerbare Energien, Wasserstoff und Batteriezellen werden wichtig sein, um die Resilienz und Innovationsfähigkeit der Gesamtwirtschaft – und nicht nur einzelner Branchen – zu stärken. Ganz ähnlich verhält es sich mit dem European Chips Act.

Was sagen uns die Ergebnisse im Hinblick auf die EU-Wahl?

Maja Göpel: Die EU stellt für 57 Prozent der von uns befragten Top-Manager die wichtigste politische Eben zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit dar. Dieses Ergebnis verdeutlicht, wie wichtig es ist, dass nationale Parteitaktik nicht zu einem Zick-Zack-Kurs führt und europäische Partner düpiert. Denn ohne richtungssichere Rahmenbedingungen und Gesetze können Investitionen nicht in großem Stil neu orientiert werden. Dafür ist die nationale Ebene auch in Deutschland eine Nummer zu klein. Und ohne Kohärenz zwischen einzelnen Politikfeldern wird die Umsetzung schwer. Europa ist vergleichsweise klein und ressourcenarm, Wettbewerbsvorteile werden sich im geopolitischen Wettbewerb auch daran bemessen, wie effizient europäische Angebote sind.

Wettbewerbsfähigkeit und Klimaschutz – widerspricht sich das nicht?

Maja Göpel und Martin Schulte: Nur scheinbar. Wenn man genauer hinsieht, wird deutlich, dass sich unser Wohlstand nur dann sichern lässt, wenn Ressourcen verlässlich vorhanden sind und diese in gute Produkte und Dienstleistungen verwandelt werden. Immerhin hängt die Hälfte des globalen Bruttoinlandprodukts von dem ab, was wir Ökosystemdienstleistungen nennen. Und von intakten Infrastrukturen, wie die Überschwemmungen zeigen. Resilienz ist daher ein Schlagwort unserer Zeit und soll mit den von uns abgefragten EU-Initiativen gestärkt werden.

Hier geht es zur Pressemitteilung mit den Ergebnissen unserer Umfrage.

Der Green Deal will die Transformation Europas mit einer übergeordneten Vision vorantreiben, die alle Politikbereiche auf ihre Lenkungswirkung hin zu einer erneuerbaren, CO2-neutralen und zirkulären Wirtschaft ausrichtet. Foto: IMAGO / Emmanuele Contini

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